Aufklärung

 

Die vielen Tricks der Ladendiebe

 

Bianca Blei, der Standard

 

Buch der WKO enthüllt die häufigsten Kniffe, erklärt, wie man sich vor Dieben schützt und warnt vor juristischen Stolpersteinen

500 bis 800 Millionen Euro, so hoch ist der Schaden, den Ladendiebe jährlich verursachen. Das entspricht einem Warenwert von etwa ein bis 1,5 Prozent des jährlichen Handelsumsatzes. Mit dem Buch „Dauerthema Ladendiebstahl" will die Wirtschaftskammer nun vor allem Besitzer von Handelsunternehmen für das Thema sensibilisieren und so den Schaden verringern. Laut Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer (WKO), würde die "Gefahr des Ladendiebstahls noch immer unterschätzt".

Gleich zu Beginn der Publikation werden die häufigsten Tricks der Ladendiebe beschrieben. Dabei wurde vor allem auf das Wissen von Chefinspektor August Baumühlner, der beim kriminalpolizeilichen Beratungsdienst tätig ist, zurückgegriffen. Als "Einfache Methoden" werden unter anderem das Verstecken der Ware in Manteltaschen, präparierten Gürteln oder auch im Magen (durch Verschlucken) beschrieben. 

Das "Trojanische Pferd" und andere Tricks

Aber Ladendiebe können auch findiger sein und so werden oft alte Geräte gegen neue Waren eingetauscht, um den Anschein zu erwecken, dass sich die Ware noch immer in der Verpackung befindet. Auch liegen gelassene Kassenbons werden oft zum Werkzeug für Diebe. Sie nehmen sich eine kürzlich ausgestellte Rechnung und legen die gleichen Waren in den Einkaufswagen - mit einem neuen Artikel. An der Kasse geben sie dann an, das neue Produkt beim Einkauf zuvor vergessen zu haben.

Der "Trojanische Pferd-Trick" kommt dann aber doch nur bei professionellen Dieben zu Anwendung. Dabei wird eine Tasche auf einen Warenstapel gestellt und durch eine Öffnung an der Unterseite die Beute direkt in die Tasche gezogen. Prozentuell sind aber nur 10 Prozent aller Ladendiebe "professionell". Der größte Teil besteht aus "stehlenden Normalkunden", die nicht mit der Absicht zu stehlen ein Geschäft betreten (75 Prozent). 

Außerdem ließe sich feststellen, dass Stammkunden vier bis fünf Mal so viel entwenden, als Gelegenheitsdiebe. Die zweitgrößte Gruppe sind so genannte "soziale Problemgruppen" (15 Prozent), also Menschen, die aufgrund von Armut oder auch Drogenproblemen Diebstähle begehen. Das größte Problem sei aber, dass "jeder Mensch ein Ladendieb sein kann und es keinen Prototypen gibt", sagt Roman Seeliger von der WKO.

Geschultes Personal als Waffe

Als effektivste Präventivwaffe sieht Baumühlner die Schulung des Personals: "Ich war selbst vor ein paar Jahren als Testdieb auf Österreich-Tour und habe in einer Handelsfiliale in Klagenfurt erlebt, wie es am besten gemacht wird - die Filiale gilt auch als Fort Knox unter Ladendieben." Schon nach Betreten des Geschäftes, sei der Sicherheitsexperte von Mitarbeitern persönlich begrüßt worden und hätte ständig Augenkontakt mit ihnen gehabt. 

Artikel, die er mit einem anderen Preisschild etikettieren wollte und deshalb lange in der Hand hielt, seien ihm höflich entnommen worden, um an die Kasse gebracht zu werden. Außerdem sei an der Kasse noch einmal der Barcode mit dem tatsächlichen Produkt verglichen worden. „Ich hatte keine Chance etwas zu stehlen. Das war die hohe Schule der Ladendiebstahlsprävention", sagt Baumühlner.

Videoüberwachung ist meldepflichtig

Kameras würden auch zur Abschreckung beitragen. Dabei müsse aber laut Buchautoren auf bestehende Datenschutzbestimmungen geachtet werden. So sei prinzipiell jede Videokamera bei der Datenschutzkommission meldepflichtig und müsse auch genehmigt werden. Ausnahmen gelten hier unter anderem für Juweliere, Trafiken oder auch Tankstellen, sofern diese verschlüsselt aufzeichnen und erst bei einem Anlassfall die Bänder entschlüsseln.

Aber nicht nur bei der Videoüberwachung würden juristische Stolpersteine lauern, sondern auch in anderen Bereichen. So sei von Seiten des Ladenbesitzers darauf zu achten, wie er einem Dieb gegenübertritt. Geschieht das zu harsch oder in Verbindung mit einer gefährlichen Drohung, kann der Tatbestand der Nötigung oder sogar Erpressung erfüllt sein. Außerdem hat zwar jede Privatperson ein so genanntes Anhalterecht, doch dürfe die verdächtige Person nur so lange festgehalten werden, bis die Polizei eintrifft - die sofort verständigt werden muss. Geschieht das nicht, kann es sich um Freiheitsentzug handeln, was auch strafbar wäre.

(Quelle: derStandard.at,)