So viel kostet Ladendiebstahl

Ein Beitrag vom VSD Suisse/Gérard Moinat

Kunden, die ihren «Einkauf» nicht brav bezahlen, belasten die Händler mit enormen Kosten. Diese übertreffen den Wert des Diebesguts oft um ein Vielfaches.


Hemmungslos zugreifen, ohne Rücksicht auf Verluste. «Macht doch nichts, das bisschen Diebesgut tut den großen Läden sowieso nicht weh», mag sich mancher Ladendieb denken. Doch weit gefehlt: Ladendiebstahl kommt Warenhäuser um ein Mehrfaches teurer zu stehen, als bloß der Wert des entwendeten Gutes. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus den USA. Der Befund: Ein Diebstahl oder Betrugsfall verursacht bei einem US-Warenhaus mehr als das Dreifache an Kosten. Ein Schaden über 100 Dollar kostet das Unternehmen unter dem Strich also 310 Dollar.


Die große Differenz zwischen Diebesgut und Aufwand nennen die Autoren der Studie «Betrugs-Multiplikationsfaktor». Er berücksichtigt die Kosten für die Wiederbeschaffung der Ware, den administrativen Aufwand, Zinsen, Gebühren und weitere durch Diebstahl bedingte Ausgaben.


«Kosten, die in keiner Relation zum Diebesgut stehen»


Auch in Schweizer Warenhäusern verursacht Ladendiebstahl hohe Kosten. Manuela Tröndle, die Sprecherin von Media Saturn Management, sagt: «Wir haben keinen bestimmten Berechnungs-Faktor. Wir können jedoch sagen, dass der administrative Aufwand mehrere Arbeitsstunden in Anspruch nimmt.» Sei dies in Form der Aufnahme eines Falls, dem anschließenden Verhör, der Meldung an die Polizei und weiteren Mannstunden. «Dabei entstehen Kosten von weit mehr als 500 Franken pro Fall, die in keiner Relation zum Diebesgut stehen», so Tröndle.


Coop: Fallpauschale zwischen 100 und 150 Franken


Die Warenhäuser Coop und Manor berechnen bei Kundendelikten in der Regel keinen «Betrugs-Multiplikationsfaktor». Doch die Höhe der Fallpauschale bei Coop lässt die Kosten von Ladendiebstahl erahnen. Mittels einer Fallpauschale zulasten eines erwischten Ladendiebs deckt der Detailhändler den durch Ladendiebstähle verursachten Schaden.

Diese «Busse» beträgt 100 Franken bei einer Deliktsumme von unter 10 Franken und 150 Franken bei einer Deliktsumme von mehr als 10 Franken. Ein Faktor von Zehn für Bagatell-Diebstahl also.

«Diese Fallpauschalen decken übers Jahr hinweg in etwa den Aufwand», sagt Coop-Mediensprecherin Sabine Vulic. Eine genaue Auflistung des Aufwandes nimmt Coop jedoch nur bei größeren Delikten vor. Dann, wenn zum Beispiel bei Verdacht auf wiederholten Diebstahl Kameras montiert oder zusätzliche Detektive eingesetzt werden müssten. Dies sei zum Beispiel bei Mitarbeiterdelikten der Fall.


Koordinationsaufwand ist unterschiedlich


Das Modegeschäft Schild kann die Aussage der US-Studie dagegen nicht bestätigen. «Es kann nicht mit einem Mehrfachen des Werts des gestohlenen Gegenstandes gerechnet werden», sagt Schild-Sprecher Renzo Radice. Im Falle eines Diebstahls entstehe ein Umsatzverlust sowie ein geringer administrativer Aufwand, um das Kleidungsstück vom entsprechenden Lieferanten nachzubestellen, erklärt Radice. «Der Koordinationsaufwand ist aber je nach Lieferant unterschiedlich und hält sich meist in Grenzen.»

Die Migros, wie auch zahlreiche andere angefragte Warenhäuser, geben sich zum Thema Diebstahl zugeknöpft und wollen sich nicht äußern. Der Grund dafür sei gemäß einer Sprecherin einer großen Schweizer Warenhauskette, dass gerade mit der Berichterstattung über dieses Thema Ladendiebstähle spürbar ansteigen würden.