Bildnachweis: Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik
Bildnachweis: Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik

Die Täter sind meist männlich. Sie kommen kurz vor Ladenschluss und sind häufig bewaffnet. Ihre Beute: Geld aus der Ladenkasse oder Wertgegenstände. Nach diesem Schema laufen rund 1500 meldepflichtige Raubüberfälle ab, die jährlich bei der BGHW erfasst werden. Mit welchen Maßnahmen kann der Handel besonders wirksam solche Gewalttäter abschrecken und seine Beschäftigten schützen? Dieser Frage geht ein aktuelles Forschungsprojekt der BGHW und der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster nach.

 

Raubüberfälle sind ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Problem. Sie bedeuten nicht nur materielle Verluste für das Unternehmen, sondern verursachen auch gesundheitliche und psychische Schäden bei allen Betroffenen, seien es Mitarbeiter oder Kunden. Raubstraftaten können die Lebensqualität und Attraktivität eines ganzen Stadtteils oder einer Region in Mitleidenschaft ziehen.

Umso wichtiger sind geeignete Präventionsmaßnahmen, um Täter abzuschrecken und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Doch wie wirksam solche Maßnahmen sind, hängt von vielen Faktoren ab. Deshalb wollen die BGHW und die Hochschule in ihrem Projekt genau analysieren, welche Präventions-maßnahmen am besten zu welcher Betriebsart passen.

Im Mittelpunkt stehen besonders betroffene Branchen wie Tankstellen, Lebensmittelgeschäfte, Kioske und Getränkemärkte sowohl in ländlichen Gebieten als auch in Städten. Dabei werden vor allem die Zusammenhänge zwischen folgenden Faktoren untersucht:

• Präventionsangebote und -maßnahmen

• Akzeptanz und Umsetzung dieser Maßnahmen

• Merkmale des jeweiligen Betriebs

• das Risiko von Raubstraftaten

„Auch die Auswirkungen solcher Gewaltdelikte auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird in das Projekt mit einfließen“, erläutert Dorothea Kraft , Referentin für Verkaufsstellen beim Fachbereich Handel und Logistik. „Aber der Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Frage, wie Tatversuche und Taterfolge präventiv verhindert werden können.“

Um die Daten zu erheben, werden über 1000 Raubüberfälle untersucht und Polizeiberichte ausgewertet. Außerdem wird der Außendienst der BGHW Betriebe besuchen und mit Unternehmern und Mitarbeitern sprechen.

Abgeschlossen wird das Projekt voraussichtlich im Frühjahr 2016. „Die BGHW analysiert intern schon seit vielen Jahren das Raubüberfallgeschehen“, so Kraft . „aber durch die Kooperation mit der Polizei können jetzt auch noch kriminologische Aspekte einfließen, die zum Beispiel das Täterverhalten oder die Tatgelegenheiten transparent machen.“

Unterweisungen geben Sicherheit

Um sich vor Raubüberfällen zu schützen, empfiehlt die BGHW im ersten Schritt die Risiken durch eine gezielte Gefährdungsbeurteilung zu erfassen. Sie sollte sich am Weg des Geldes orientieren, beispielsweise vom Bargeldeingang an der Kasse über den Geldtransport in der Verkaufsstelle,

die Geldlagerung bis hin zum Transport zur Bank. In einer Betriebsanweisung können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert werden, wie sie sich vorbeugend, aber auch während und nach einem Raubüberfall richtig verhalten. In regelmäßigen Unterweisungen sollten dann diese grundlegenden Verhaltensregeln besprochen und vertieft werden. Musteranweisungen und Tipps zu Unterweisungen gibt es im Medienshop der BGHW.

Nicht vernachlässigt werden darf auch eine feste Planung für die Zeit nach einem Raubüberfall. Die BGHW rät deshalb eine Melde- und Alarmkette festzulegen. Das gibt den Mitarbeitern Sicherheit und garantiert, dass Raubüberfallopfern schnell und wirksam geholfen werden kann. Unter anderem bietet die BGHW eine psychologische Hilfe an, die Betroffene stabilisiert und Traumasymptome lindert. (be)

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