Mit dem Projekt Loss Prevention zielt der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte - BHB (www.bhb.org) - gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen, darunter auch ein Vertreter der DIY Branche aus Österreich, bauMax AG, auf eine bessere Sicherung von Verkaufsverpackungen vor Manipulationen, ab.


Da eine effiziente Verpackungsoptimierung nur im Schulterschluss mit der Industrie zu erzielen ist, wendet sich die Projektgruppe Loss Prevention an die wichtigsten Lieferanten des Handels. In produktgruppenspezifischen Workshops will die Projektgruppe sowohl auf die Brisanz des Themas Ladendiebstahl resp. Verpackungsmanipulationen aufmerksam machen als auch gemeinsam mit der Industrie Maßnahmen entwickeln und umsetzen, die darauf ausgerichtet sind, Produkte besser zu sichern ohne die Abverkaufszahlen zu beschränken. Analysen haben ergeben, dass es im Wesentlichen die im Folgenden beschriebenen Problemfelder sind, mit denen sich die Baumärkte heute konfrontiert sehen:

 

 

Auspacken
um einzelne Artikel unbemerkt aus einem Markt zu befördern, werden diese von Ladendieben bevorzugt in der Kleidung verborgen. Kartons und Werkzeugkoffer, die sich problemlos öffnen lassen, bieten keinen wirksamen Diebstahlschutz und erleichtern die unerlaubte Entnahme.

 

Umpacken
durch das Vertauschen von Verpackungsinhalten lassen sich hochwertige und damit teure Artikel für den Preis eines weit günstigeren Einstiegsprodukts erwerben.

 

Zupacken
im Inneren eines Produktkartons ist meist noch so viel freier Raum vorhanden, dass weitere Artikel hinzugepackt werden können. Dies erfolgt entweder durch Öffnungen im Karton selbst (Bsp. Tragegriffe) oder die Verpackung wird direkt geöffnet und anschließend wieder verschlossen.

 

Etiketten-Manipulation
sind die EAN-Codes lediglich auf die Verpackungen geklebt statt aufgedruckt, besteht erhöhte Gefahr, dass die Barcodes von höherwertigen Produkten entfernt und durch Etiketten preisgünstigerer Artikel ersetzt werden.


Für den Workshop zum Sortiment Elektrowerkzeuge waren Vertreter der Firmen Bosch, Einhell und Metabo eingeladen. Das Unternehmen Bosch konnte den Termin nicht wahrnehmen, informierte die Projektgruppe jedoch in einer zuvor übermittelten Präsentation über Maßnahmen, mit denen Bosch seine Verpackungen gegen Manipulationen sichert. Die Projektgruppe wollte von den Vertretern der Industrie in erster Linie mehr über den Verpackungsprozess erfahren. Mit fundierten Kenntnissen zur Entstehung des Verpackungsdesigns bis hin zu Produktion und Warenverpackung fällt es leichter, über Ergänzungen oder Veränderungen diese Prozesse zu diskutieren, die sich realistischer Weise auch umsetzen lassen.

 

 

Bei der vom Handel angestrebten Verpackungsoptimierung stehen drei Ziele im Fokus: Eine Verpackungsoptimierung dient der Prävention vor unerlaubten Zugriffen, unterstützt die (Verkaufs)Prozesse und verbessert die Präsentation.

 

Prävention:
Gelegenheitsdiebe sollen daran gehindert werden, Artikel aus einer Verpackung zu entfernen, weitere Artikel hinzuzufügen oder Inhalt und Verpackung zu tauschen.

 

Prozesse:
Kassenkräfte können davon ausgehen, dass Verkaufsverpackungen, die fest verschlossen sind und deren Sicherheitsmerkmale keine Beschädigung aufweisen, nicht manipuliert wurden. Eine gesonderte Prüfung des Verpackungsinhalts auf Vollständigkeit ist nicht notwendig.

 

Präsentation:
Viele Kunden wollen vor dem Kauf ausprobieren, was in einer Verpackung steckt. Mit einem Musterexemplar lässt sich diesem Wunsch nachkommen. Wahllos geöffnete Verpackungen stören dagegen das Erscheinungsbild der Warenpräsentation. Zudem verlieren diese nicht mehr original verpackten Artikel bei anderen Kunden an Attraktivität. Optimierte Produktverpackungen verhindern die unerwünschte Variante des Ausprobierens.

Bei einigen Produkten werden für die Präsentation am Point of Sale Dummies eingesetzt. Diese Dummies haben den Vorteil, dass der Kunde das Produkt in die Hand nehmen kann, ohne dass dafür eine Originalverpackung geöffnet werden muss. Zudem erleichtern Dummies die Inventuraufnahme, da sich Überlegungen hinsichtlich einer notwendigen Wertberichtigung erübrigen. An die Industrie richtet sich daher die Aufforderung zu prüfen, ob ein verstärkter Einsatz von Dummies bzw. die Bereitstellung von Dummies möglich und aus ihrer Sicht erstrebenswert ist.

Die Industrie zeigte für das Projekt Loss Prevention und die Problematik der Verpackungsmanipulationen großes Verständnis. Noch stehe der Gedanke einer besseren Absicherung vor Manipulationen bei der Verpackungsgestaltung nicht im Vordergrund. Die im Workshop präsentierten Anregungen werden aber gerne aufgenommen.

 

Diese Anregungen sind ebenfalls in der Broschüre „Manipulationssichere Produktverpackungen, ein Leitfaden für den Detailhandel“.

 

Information: dieser Leitfaden kann über den Link KONTAKTE angefordert werden.

 

Bislang sind die entscheidenden Kriterien bei der Verpackungsgestaltung die Punkte Stabilität und EAN-Code. Auf Wunsch des Kunden werden Verpackungen umbändelt oder mit Kabelbinder gesichert. Doch dies sei bisher kein Standard und erfolge in einem nachgelagerten Prozess. Eine Ausweitung der Produktionsstraße beispielsweise um eine Umbändelungsmaschine könne teilweise allein aus Platzgründen nicht ohne weiteres erfolgen. Klar ist, dass der Handel nicht auf eine Umbändelung des kompletten Warensortiments bestehe. Diese Art der Sicherung käme für bestimmte hochpreisige Sortimente in Betracht.


Der Handel ist sich allerdings auch bewusst, dass eine Umbändelung die Optik einer Verpackung beeinträchtige und bei Kunden nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen werde. Zudem müsse man prüfen, wie sich das Stapel-/Lagerungsverhalten von umbändelter Ware verändert. Daher sei eine Umbändelung nur als eine mögliche Option zu betrachten. Weitere alternative Vorschläge von Seiten der Industrie sind unbedingt erwünscht. Festgelegt sei bisher lediglich das Ziel einer spürbaren Verbesserung der Manipulationssicherheit. Verpackungen dürfen sich nicht länger öffnen lassen, ohne dass dabei deutliche Spuren hinterlassen werden. Wie dies im einzelnen erreicht werden kann, gelte es bei diesem Workshop und darüber hinaus zu diskutieren.

 

 

Auch die Frage nach den zusätzlichen Kosten bei einer Veränderung der Verpackung ist nicht unerheblich. Eine valide Aussage dazu war ohne vorherige Prüfung allerdings nicht möglich. Die Projektgruppe Loss Prevention sieht sich dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verpflichtet, das heißt keiner der Partner soll unverhältnismäßig belastet werden. Es wird Wert gelegt auf ein akzeptables Kosten-Nutzen-Verhältnis.

 

Rückverfolgbarkeit von gestohlener Ware Diebstahldelikte können auch in Zukunft nicht vollkommen verhindert werden. Umso wichtiger ist es, dass Diebesgut, sobald es sichergestellt ist, auch an den Markt zurückgeführt werden kann, aus dem es entwendet
wurde. Dies bereitet heute noch erhebliche Probleme, da die Behörden eine eindeutige Identifizierung, einen eindeutigen Nachweis, fordern. Ein solcher Nachweis wäre mit der Seriennummer möglich, diese müsste dafür aber in die Warenwirtschaftssysteme eingepflegt werden. An Industrievertreter (Anm. Einhell, Metabo) wurde die Frage gestellt, wie diese Unternehmen mit der Seriennummer verfahren. Beide Unternehmen vergeben Chargennummern für komplette Kundenlieferungen, die Rückschluss erlauben auf das Handelsunternehmen, das mit der Ware beliefert wurde. Der exakte Weg eines einzelnen Produktes kann derzeit nicht nachgezeichnet werden.

Quelle: Robert Spevak ist aktives Mitglied im Projekt