Ladendiebe und gierige Mitarbeiter

 

Im Einzelhandel sind in einem Jahr weltweit Waren im Wert von 107,3 Mrd. Dollar verloren gegangen. Das besagt das globale Diebstahlsbarometer, das vom britischen Centre for Retail Research mit Unterstützung der Warensicherungsfirma Checkpoint Systems erstellt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Schaden um 5,6 Prozent. Österreich liegt auf dem drittletzten Platz der 42 untersuchten Länder.

 

Der Rückgang im Untersuchungszeitraum Juli 2009 bis Juni 2010 wird in der Studie mit zwei Gründen erklärt: Nach der Wirtschaftskrise habe sich nun der ökonomische Druck deutlich entschärft. Zudem hätten Firmen ihre Sicherheitsinvestitionen deutlich erhöht, nachdem diese in den Krisenjahren ebenfalls eher vernachlässigt wurden.

 

Indien an der Spitze

Indien liegt mit 2,72 Prozent des Umsatzes unangefochten an der Spitze – und das, obwohl der Schwund gegenüber 2009 um 15 Prozent sank. Mit 1,64 Prozent liegen Marokko und Brasilien an zweiter Stelle. Die USA rangieren mit 1,5 Prozent noch vor allen europäischen Staaten. Dabei sank der Schwund um sieben Prozent, nachdem er im Vorjahr um neun Prozent dramatisch gestiegen war. Österreich liegt mit 0,97 Prozent (Vorjahr: 0,99 Prozent) an drittletzter Stelle, weniger Schwund gibt es nur in Hongkong und Taiwan.

 

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Europa und Nordamerika bei den Ursachen für den Schwund: In Europa verursachen Ladendiebe 47,8 Prozent des Schadens, Mitarbeiter 29,8 Prozent. Der Rest entfällt auf Lieferanten und interne Fehler, etwa bei der Lagerung. In den USA und Kanada ist es umgekehrt: Angestellte sind dort für 43,7 Prozent verantwortlich, stehlende Kunden „nur“ für 35 Prozent.

 

Fleisch als „Renner“

Die Warengruppe mit dem größten Schwund weltweit ist jene von Autoteilen, Maschinen und Baustoffen. Bekleidung, vergangenes Jahr noch Spitzenreiter, fiel auf Rang zwei zurück, gefolgt von Kosmetika und Medikamenten.

Innerhalb der Warengruppen gibt es aber enorme Unterschiede – einzelne Produkte stehen besonders im Visier von Ladendieben, sie werden zwei- bis viermal so häufig gestohlen wie andere Waren in dieser Kategorie. Bei Kleidung etwa rangieren Accessoires ganz oben, auch Kinderkleidung und teure Markenmode ist besonders begehrt.

 

In Supermärkten liegt der Schwund bei 1,22 Prozent – mehr als doppelt so hoch ist er allerdings bei frischem Fleisch. Und in Lateinamerika liegt der Wert für Steaks und Co. bei 5,2 Prozent, in Nordamerika bei 4,1 Prozent. US-Medien berichten gar, dass Filets vom Angusrind zum meistgestohlenen Produkt der USA werden. Luxusartikel wie Meeresfrüchte und teurer Käse haben genauso hohe Schwundraten wie Süßigkeiten und Babynahrung.

 

Regionale Unterschiede

 

Dass Ladendiebe und Mitarbeiter regional offenbar unterschiedliche Vorlieben haben, zeigt sich auch beim Ländervergleich der „beliebtesten“ Warengruppen. So liegen in den USA Kosmetika, Parfum und Pharmaka deutlich an erster Stelle. In Europa und Asien ist hingegen Bekleidung an der Spitze.

In Großbritannien entstehen jährlich Schäden von 4,3 Milliarden Pfund (fünf Mrd. Euro), ein Drittel davon durch Angestellte, die sich auch häufig mit einem Griff in die Kasse oder falschen Kreditkartenabrechnungen bereichern. Ganz oben auf der Produktliste in Großbritannien steht sowohl für Ladendiebe wie auch Mitarbeiter Alkohol und insbesondere Whiskey, so Joshua Bamfield, einer der Autoren.

 

Markenartikel für Hehlerei

Auch in Großbritannien zählt Fleisch zu den besonders häufig gestohlenen Waren, entweder für den eigenen Gebrauch oder um es an Lokale weiterzuverkaufen. Generell attraktiv seien Markenartikel, die leichter zu Geld zu machen sind.

In Deutschland kamen von Juli 2009 bis Juni 2010 Waren im Wert von fast fünf Milliarden Euro abhanden. Gemessen am Umsatz betrugen die Verluste rund 1,12 Prozent. Binnen eines Jahres ging der Schadensanteil leicht um 4,3 Prozent zurück. Im Nachbarland geht mehr als die Hälfte der Verluste auf das Konto von Kunden, gut ein Viertel verschwindet durch unehrliche Mitarbeiter. Am häufigsten würden Markenartikel gestohlen, die klein und teuer sind. Renner bei den Dieben seien Mode- und Bekleidungsartikel, Schönheitspflegeprodukte, Rasierartikel, Feinkostlebensmittel, Spirituosen und auch DVDs und CDs.

 

Link Diebstahlsbarometer