Ladendiebstahl kommt den Handel jährlich teurer. Neben Kunden werden Mitarbeiter immer öfter zum Feind. Maßnahmen gibt es genug, doch sind Händler oft überfordert

Bildquelle: bauMax
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Wien. Finanzielle Sorgen, Spielsucht, Ehekrise oder Geltungsdrang - es gibt viele Gründe, im Laden lange Finger zu bekommen. 3,5 Prozent der Konsumenten sind Ladendiebe. Geht man von einem durchschnittlich gefüllten Einkaufswagen aus, so ist jeder siebte gestohlen. Die Schadensumme steigt jährlich, viele Händler sind mit der Situation überfordert.

 

53 Prozent der Ladendiebe sind Kunden, 21,6 Prozent sind Mitarbeiter - deutlich mehr als früher: „Dieser Wert ist in den vergangenen fünf Jahren um zehn bis 20 Prozent gestiegen", sagt Franz Wulz, Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens Campus Security. 8,1 Prozent des Schadens gehen auf das Konto von Lieferanten und Servicekräften, der Rest sind Inventurdifferenzen.

 

 

Stehlen leicht gemacht

 

Die Gründe für den Anstieg sind fehlende Kontrolle des Personals und schlechte externe Sicherheitskräfte. „Das Stehlen wird oft sehr leicht gemacht", sagt Wulz. Er rät den Betroffenen, das Geschäftslokal zuerst von Experten begutachten zu lassen und sich dann erst für Präventivmaßnahmen zu entscheiden. Andernfalls werden oft die falschen Maßnahmen gesetzt.

 

Weiters sind die Mitarbeiter besser zu schulen. „Oft sprechen sie sogar bei offensichtlichem Diebstahl den Täter nicht an", weiß Wulz. Bei externen Kräften müsse man auf die Qualifikation achten, die oft zu wünschen übrig ließe. Sogar auf Warensicherungssysteme, wie elektromagnetische Etiketten, sei kein Verlass - 30 bis 40 Prozent davon würden defekt geliefert. Networking sei auch kein Fehler, „zum Beispiel Plattformen, wo sich Handelsunternehmen rasch informieren können".

 

Die gefragtesten Diebesgüter sind Elektroartikel, Mode und teure Alltagsprodukte wie Parfums oder Sonnenbrillen. Schuhe gelten als sicher, auch bei Lebensmittel sind eher nur teure Alkoholika gefragt, „einen Käse stiehlt kaum jemand", sagt Wulz.

 

 

Nervenkitzel gesucht

 

Doch könne man nie sicher sein, manche lassen auch das Klopapier auf dem Kundenklo mitgehen. Andere wiederum suchten das Risiko. „Wir haben schon Ärzte im Elektromarkt mit zwei Knopfbatterien erwischt. Manche brauchen einfach den Kick", sagt Wulz.

 

Auch Klischees kann er bestätigen: Mode wird zu 80 Prozent von Frauen gestohlen, bei Elektronik sind die Diebe fast nur Männer. Auch würden immer öfter Kinder als Komplizen eingesetzt - um das Diebesgut im Kinderwagen oder in der Kinderjackentasche verschwinden zu lassen.

 

 

500 Millionen € Schaden

 

Ladendiebstahl kostet den österreichischen Handel pro Jahr rund 500 Millionen €. Die Summe steigt pro Jahr um sieben bis zehn Prozent. Die Handelsunternehmen gaben 2013 rund 200 Millionen € für Bewachungsdienste aus. Laut Prognosen soll dieser Betrag jährlich um zehn bis 15?Prozent steigen. Ausgaben für Technik kommen noch dazu und belaufen sich auf mehrere 100 Millionen €.

 


Textquelle: Wirtschaftsblatt 25.03.2014, 16:31 von Thomas Pressberger