Krimineller Trend Flashrobs 

Mehr als 50 Jugendliche stürmen Supermarkt

Jugendliche organisieren sich in Social-Media-Gruppen, um gemeinsam zu klauen. Dabei halten weder die Überwachungskameras noch die Polizei die Langfinger-Bewegung auf, die ganz ohne Waffen auf Raubzug geht.

Sie verabreden sich über das Internet, organisieren sich in Gruppen und schlagen zu: Ein scheinbar anhaltender Trend in meist amerikanischen Großstädten sind die so genannten „Flashrobs“ – ein kollektiver Diebstahl. Die Welle der Flash Robs schwappte vor allem im Frühjahr vergangenen Jahres besonders hoch. Seither tauchen immer wieder neue Videos im Netz auf, die den verabredeten Massen-Raubzug zeigen. Angelehnt ist diese Form des Diebstahls an die vielmehr kreativen und vergnüglichen Flashmobs, die sich zumeist als Werbekampagne zeigen, eine politische Aktion stärken oder dem reinen Vergnügen frönen. Ein „Flashrob“ wiederum verfolgt weniger das Ziel, gemeinsam und harmlos Spaß zu haben, sondern im Rausch der Masse gestärkt, sich die Taschen voll zu machen. Eine Umfrage der National Retail Federation, dem amerikanischen Handelsverband, hat ergeben, dass knapp 80 Prozent der Einzelhändler innerhalb eines Jahres Opfer eines Überfalls mit mehreren Personen wurden, 10 Prozent dieser Überfälle seien Flashrobs gewesen. Für die amerikanische Polizei hat sich das Phänomen nahezu etabliert, trotzdem scheinen sie die interaktive Langfinger-Bewegung nicht stoppen zu können. Schwarmartig stürmen die zu 90 Prozent Jugendlichen Räuber Tankstellen, Supermärkte und Kleidungsgeschäfte und nehmen innerhalb kürzester Zeit all das mit, was sie tragen können. Bei der Vielzahl der Diebe haben die Verkäufer der Geschäfte keine andere Wahl, als der irritierenden Aktion hilflos zuzusehen. Beobachtet werden die Räuber zwar auch von den Überwachungskameras, abschreckend wirken die offenbar jedoch nicht. Eben dort, wo sich die Flashrobs zuvor organisiert haben, beginnen die Ermittlungen der Polizei: Die Videos der Überwachungskameras werden im Internet veröffentlicht und führen meist zu zahlreichen Hinweisen für die Überführung der Täter. Wie die Chicago Sun Times berichtet, nimmt die Polizei seit dem vergangenen Jahr zudem Social Media-Seiten stärker ins Visier, um bei möglichen Flashrobs prompt einzuschreiten.Die kriminellen Bewegungen im Kollektiv erleben eine Dynamik. In einem McDonalds im britischen Wigan machten jetzt hunderte Teenies einen lautstarken Aufstand – wohlmöglich angetrieben von dem Bewusstsein gefilmt zu werden und auf YouTube Netzberühmtheit zu erlangen. Dieses Phänomen ist derzeit kein deutsches Problem, bestätigt Polizeioberrat Ivo Priebe von der Bundespolizei auf Nachfrage von FOCUS Online. Diese kriminelle Form der Flashrobs stehen in Deutschlands Großstädten bisher nicht auf der Tagesordnung.


Von FOCUS-Online-Autorin Susanne Schoeppner