Ein bekannter Trick ist kein Trick mehr

"Es gibt keinen 'typischen' Ladendieb. Versuche, doch einen Prototyp zu konstruieren, basieren auf Vorurteilen oder schlechten persönlichen Erfahrungen. Ladendiebe sind weder am Aussehen, Alter, am Geschlecht, an der Nationalität noch am gesellschaftlichen Stand zu erkennen. Das macht die Bekämpfung von Ladendiebstahl schwierig - aber nicht unmöglich", wissen August Baumühlner und WKÖ-Jurist Roman Seeliger aus dem Berufsalltag. Baumühlner ist als Leiter des Bereiches Kriminalprävention im Landeskriminalamt (LKA) Wien tätig. Seeliger setzte sich schon als Rechtspraktikant am früheren Jugendgerichtshof Wien mit Ladendiebstahl auseinander, bevor er als stellvertretender Geschäftsführer der Bundessparte Handel begann, sich auch aus interessenpolitischer Sicht mit diesem Thema zu befassen. Gemeinsam haben die beiden das Buch "Dauerthema Ladendiebstahl. Erfolgreiche Gegenstrategien, rechtliche Hintergründe" geschrieben, das von der Service-Ges.m.b.H. der Wirtschaftskammer Österreich herausgegeben wird und ab sofort erhältlich ist.

 

"Fest steht: Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt! Denn der Schaden, der durch Ladendiebstahl verursacht wird, geht von einer Schwächung des Eigenkapitals und der Verminderung des Gewinns über eine betriebswirtschaftliche Krise eines Handelsunternehmens bis zu dessen Insolvenz. Neben Einbußen für den Fiskus werden dadurch auch Arbeitsplätze vernichtet", unterstreicht Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel, bei der Buchpräsentation die Wichtigkeit des Themas. "Schätzungen über den Wert der gestohlenen Waren belaufen sich auf etwa 1 bis 1,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes. Legt man das Niveau von 2009, also 53,5 Milliarden Euro, zu Grunde, ergibt sich rechnerisch ein Schaden von 500 bis 800 Millionen Euro.

 

Praktiken der Ladendiebe und mögliche Gegenstrategien

Gemäß der Devise "Ein bekannter Trick ist kein Trick mehr" informieren die Autoren der Buchneuerscheinung über die gängigsten Praktiken der Ladendiebe und stellen mögliche Gegenstrategien vor. Sie ermutigen die Händler und deren Mitarbeiter, wachsam zu sein: "Wer einen Diebstahl beabsichtigt, nimmt vorbeugende Maßnahmen gegen Diebstähle oft intuitiv wahr und lässt dann von seinem Vorhaben meist gleich wieder ab."

 

"Jeder verhinderte Diebstahl ist - nicht nur für Kaufleute - besser als ein gelöster Kriminalfall: Der Unternehmer erspart sich nämlich vor allem eine Störung der Einkaufsatmosphäre. Und eine gute Einkaufsatmosphäre ist den Kunden wichtig und für Geschäftsleute eine der wichtigsten Voraussetzungen, für den unternehmerischen Erfolg", so Roman Seeliger. "Dazu kommt: Um den Schaden auszugleichen, der durch den Diebstahl eines einzigen Artikels entsteht, muss der Betrieb viele andere Artikel verkaufen".

 

Schulung der Mitarbeiter wichtig

Auf Grund seiner langjährigen Erfahrung als "Testdieb" empfiehlt August Baumühlner als eine erfolgversprechende Präventivmaßnahme: "Kunden sollen höflich angesprochen und nach ihren Wünschen gefragt werden. Gleichgültigkeit des Personals verleitet nicht nur zum Diebstahl, sondern verstimmt obendrein ehrliche Kunden. Je höher die Aufmerksamkeit, die vor allem die Mitarbeiter einem möglicherweise unehrlichen Kunden entgegenbringen, desto größer die Chance, eine kriminelle Absicht im Keim zu ersticken." Die Schulung der Mitarbeiter bezeichnet er als "die wohl wirksamste Maßnahme zur Bekämpfung des Ladendiebstahls".

 

"Mitarbeiter sind eine tragende Säule der Handelsbetriebe", weiß auch Roman Seeliger. "Es gibt unter ihnen aber auch schwarze Schafe. So kommt es leider vor, dass eigene Mitarbeiter oder auch Lieferanten und deren Mitarbeiter zu Dieben werden." Auch mit diesen heiklen Themen haben sich die Verfasser des Buches auseinandergesetzt.

 

Verständigung der Sicherheitsbehörden

WKÖ-Jurist Seeliger gibt folgenden generellen juristischen Rat: "Den Händlern ist zu empfehlen, sich auf keinen 'Deal' mit einem ertappten - mutmaßlichen - Dieb einzulassen, sondern die Sicherheitsbehörden zu verständigen. So vermeidet man das Risiko, sich unter gewissen Umständen selbst strafbar zu machen."

Stichwort Vorbeugung: "Es ist nachgewiesen, dass in der Praxis mehr als 80 Prozent des entstandenen Schadens auf den Diebstahl von nur etwa 10 bis 15 Prozent der Artikel zurückzuführen sind. Diese so genannten 'hot products' gilt es unbedingt herauszufinden, um wirksame Gegenmaßnahmen entwickeln zu können", so Experte Baumühlner.

 

Videoüberwachung und Datenschutz

Zur Prävention gehört auch die Videoüberwachung: "Wenn jemand Kameras installieren möchte, sollte er sich vorher mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraut machen", rät WKÖ-Jurist Seeliger: "Und auch dabei soll das Buch helfen: Es ist brandaktuell, enthält und erläutert es doch die neuestens Bestimmungen zur Videoüberwachung, die erst in diesem Jahr in Kraft getreten sind." Weiters beleuchtet Seeliger in der Publikation jene Bereiche des Straf-, Strafprozess- und Arbeitsrechts, deren Kenntnis bei der Bekämpfung des Ladendiebstahls in der täglichen Praxis mehr Sicherheit gibt: "Unwissen schafft Unsicherheit, Wissen schafft Souveränität: Eine wesentliche Grundlage für richtiges Verhalten gegenüber möglichen Tätern ist daher ein gewisses Maß an juristischen Kenntnissen".

 

"Es ist wohl Utopie, Ladendiebstahl vollkommen aus den Handelsgeschäften zu verbannen. Es kann aber gelingen, die Häufigkeit dieses Delikts deutlich zu verringern. Die jetzt in kompakter Form vorliegenden Informationen und praktische Tipps solln dazu beitragen", so Seeliger und Baumühner abschließend.

 

Das rund zweihundert Seiten umfassende Buch "Dauerthema Ladendiebstahl. Erfolgreiche Gegenstrategien, rechtliche Hintergründe" (ISBN: 978-3-902110-76-3) wird von der Service-GmbH der WKÖ herausgegeben. Erhältlich ist es zum Preis von 19 (für Mitglieder der Wirtschaftskammern) bzw. 24 Euro inkl. Ust. im WKO.at-Webshop mit der Adresse http://webshop.wko.at. Telefonisch kann es unter 05 90 900-505, per E-Mail an mservice@wko.at oder via Fax an 05 90 900-236 bestellt werden.

 

Rückfragen:
Bundessparte Handel
Dr. Roman Seeliger
Tel.: 05 90 900-3347
E-Mail: roman.seeliger@wko.at