Präventionsgedanken zum Thema Ladendiebstahl

Es gibt sicherlich wenige Unternehmer, die nicht unter den Schäden, die durch Ladendiebstahl verursacht werden, zu leiden haben. Die statistischen Zahlen zum Ladendiebstahl werden regelmäßig von Verbänden und dem Bundeskriminalamt veröffentlicht und zur Kenntnis genommen.

 

Weniger bekannt dürfte dagegen sein, dass im Zusammenhang mit Ladendieben auch zunehmend Personenschäden auftreten:

  • Immer mehr des Ladendiebstahls verdächtigte Personen versuchen, sich durch Flucht der Anhaltung zu entziehen. Dabei kommt es häufig zur Anwendung von körperlicher Gewalt.
  • Nicht selten ziehen sich Mitarbeiter bei der Verfolgung flüchtiger Ladendiebe durch Unfälle schwere Verletzungen zu.

Das Verletzungsrisiko beim Umgang mit Ladendieben kann erheblich gesenkt werden, wenn der Anreiz, einen Ladendiebstahl auszuführen, durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen vermindert wird, so dass ein potenzieller Täter abgeschreckt wird. Bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen Um Ladendiebstähle zu erschweren ist bereits bei der Planung des Geschäfts und ihrer Einrichtung der Rat von Sicherheitsfachleuten, z. B. den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen, Detekteien, Sicherheitsdiensten oder Objektsicherungs-und -überwachungsfirmen und nicht zuletzt beim VSD-Austria einzuholen. Schwachstellen im Konzept zur Bekämpfung des Ladendiebstahls werden von potenziellen Tätern erkannt und ausgenutzt.

Beispiel: Bauliche Maßnahmen

 

Verkaufsräume sollten möglichst so gestaltet werden, dass das Verkaufspersonal alle Verkaufseinrichtungen einsehen kann, ohne dass es sich dazu auf bestimmte Plätze begeben muss. Hierzu gehört z. B., dass

 

  • alle Gänge und Nischen von zentralen Punkten aus einsehbar sind.
  • von Arbeitsplätzen, wie Kassen, Infotheken oder Büroräumen, möglichst alle Kunden beobachtet werden können. Eine Übersicht über den Verkaufsraum wird z. B. dadurch ermöglicht, dass diese Arbeitsplätze erhöht angeordnet werden.
  • Verkaufsregale mit Waren, die besonders diebstahlgefährdet sind, von mehreren Arbeitsplätzen aus gleichzeitig eingesehen werden können oder stets im unmittelbaren Umfeld eines ständig besetzten Arbeitsplatzes platziert sind.
  • die Beleuchtung der Verkaufsräume hell und gleichmäßig ist.
  • Ein- und Ausgänge, einschließlich der Notausgangstüren und der Zugänge zu den Nebenräumen, die ins Freie führen, immer vom Personal direkt einsehbar sind. Anmerkung: Notausgangstüren müssen sich während der Betriebszeit, wenn Personen in den Räumen anwesend sind, jederzeit ohne fremde Hilfsmittel (Schlüssel) öffnen lassen.

Beispiel: Organisatorische Maßnahmen

 

  • betriebliche Hitlisten gestohlener Waren und der zugehörigen Täterprofile zu ermitteln
  • eine Betriebsanweisung zu erstellen, die das Verhalten der Mitarbeiter zur Vermeidung von Ladendiebstählen regelt
  • Mitarbeiter regelmäßig auf Basis vorhandener Betriebsanweisungen belehren
  • Mitarbeiter von geeigneten internen Personen oder externen Dienstleistern im richtigen Verhalten zur Vermeidung von Ladendiebstählen schulen zu lassen.

Dazu gehören Informationen über 

    • Täterprofile
    • Hitlisten gestohlener Waren
    • diebstahlbegünstigende Umstände
    • Tricks und Hilfsmittel der Täter ebenso wie
    • vom Unternehmer getroffene Schutzmaßnahmen, deren Funktion und technische bzw. bauliche Eigenheiten
  • auf vorhandene Warensicherungs- und Überwachungsmaßnahmen sowie auf rechtliche Konsequenzen im Falle eines Ladendiebstahls gut sichtbar hinzuweisen
  • ein schnelles Warnsystem über potenzielle Ladendiebe an die Betriebe einer Straße, eines Stadtteils oder einer Branche zu aufzubauen, z.b. das kostenlose SMS Infoservice der Wirtschaftskammer
  • regelmäßig Spezialisten, z. B. Detektive, hinzuzuziehen
  • mit der örtlichen Kriminalprävention regelmäßig Informationen auszutauschen und um Schulung der Mitarbeiter nachzusuchen
  • Betriebsstätten mit ausreichend und geschultem Personal zu besetzen.

Empfehlungen zum sicheren Umgang mit Ladendieben

 

Unternehmer erwarten in der Regel von ihren Mitarbeitern, dass sie Ladendiebstähle verhindern. Viele Mitarbeiter stehen dieser Aufgabe jedoch hilflos oder ängstlich gegenüber. Mangelnde Erfahrung, Selbstüberschätzung und/oder Rechtsunsicherheit erschweren eine sachgerechte Reaktion.

Daher ist es wichtig, Mitarbeiter darauf vorzubereiten, situationsgerecht und selbstbewusst,

rechtlich korrekt und ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit Ladendiebe zu stellen. Auch hier ist es dringend angeraten, sich von den eingangs erwähnten Sicherheitsfachleuten beraten zu lassen. Diese können unter Berücksichtigung der körperlichen und seelischen Eignung und Motivation der Mitarbeiter die notwendigen Schutzmaßnahmen mit ihnen erarbeiten.

Eskalation und körperliche Auseinandersetzungen mit Ladendieben entstehen oft auch durch rigoroses und zu druckvolles Vorgehen des Verkaufspersonals. Der richtige Umgang mit Ladendieben kann die Gefahr einer körperlichen Auseinandersetzung mit zum Teil schweren Verletzungen erheblich senken.

Die „Profis" im Umgang mit Ladendieben zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

sie gehen selbstbewusst und offen auf verdächtige Personen zu, ihr primäres Ziel im Umgang mit Ladendieben ist es, Auseinandersetzungen zu vermeiden, sie sehen den Erfolg nicht in erster Linie in einer Anzeige gegen den Ladendieb, sondern im Rückgang der Ladendiebstähle. Mitarbeiter, die verdächtigte Personen gut beobachten und beobachtete Ladendiebe ruhig und gelassen ansprechen können, sollten den übrigen als Ansprechpartner bekannt sein und von diesen hinzugerufen werden können.

Als Ergänzung zu professioneller Schulung können folgende Vorschläge zur Entschärfung möglicher Gefahrensituationen beim Stellen von Ladendieben herangezogen werden:

Ansprache des Tatverdächtigen

  • Die Ansprache ist der gefährlichste Moment, der Ladendieb wird jetzt als Ladendieb entlarvt. Nur durch besonnes Verhalten kann verhindert werden, dass die Situation eskaliert
  • Sprechen Sie den "mutmaßlichen" Dieb höflich, ruhig und sachlich bestimmt an (Führen Sie die Ansprache immer in der "Sie-Form" durch)
  • Bitten Sie den Tatverdächtigen im Verlauf der Ansprache ins Büro, ohne ihn in der Öffentlichkeit mit dem Vorwurf des Ladendiebstahls zu konfrontieren. Sowohl Sie als auch der Tatverdächtige stehen unter Stress. Daher empfiehlt es sich die Ansprache möglichst kurz zu halten (z.B. mit den Worten: "Guten Tag, bitte folgen Sie mir ins Büro.")
  • Vermeiden Sie Provokationen jeglicher Art
  • Bringen Sie sich nicht unnötig in Gefahr, halten Sie daher während der Ansprache einen deutlichen Abstand von 2 Armlängen zum Tatverdächtigen. Versperren Sie dem Tatverdächtigen nicht den Fluchtweg, um eine Provokation von Gewalt zu verhindern
  • Zur Eigensicherung: Sprechen Sie einen potentiellen Ladendieb, falls irgendwie möglich, immer zu zweit an und sprechen Sie die gemeinsame Vorgehensweise vorher ab
  • Besondere Vorsicht ist bei alkoholisierten oder unter Drogeneinfluss stehenden Tatverdächtigen geboten

Auf dem Weg ins Büro

Nachdem durch die Ansprache die Situation eindeutig klargestellt worden ist, ist es nun wichtig den Tatverdächtigen möglichst unauffällig ins Büro zu bringen. Viele Ladendiebe nutzen den Weg ins Büro zur plötzlichen Flucht oder um das Diebesgut wieder los zu werden. Wählen Sie stets den kürzesten Weg. Benutzen Sie keine Aufzüge, da hier keine Hilfestellung von Dritten möglich ist. Achten Sie darauf, dass sich im Verlauf des eingeschlagenen Weges möglichst keine Gegenstände befinden, die als Hieb- und Stichwaffe, Wurfgeschoss oder Barrikade gebraucht werden können.

Zur Eigensicherung sollten Sie folgende Tipps beherzigen

  • Geleiten Sie einen Tatverdächtigen möglichst nicht allein ins Büro
  • Gehen Sie schräg mit einem Abstand von zwei Armlängen hinter dem Tatverdächtigen her
  • Seien Sie stets auf der Hut: Achten Sie auf mögliche Anzeichen im Verhalten des Täters, wie z.B. Umstoßen von Einrichtungsgegenständen oder Greifen nach Gegenständen. Diese können eine bevorstehende Flucht oder einen gewalttätigen Angriff einleiten
  • Kommt es zu Problemen (der Tatverdächtige randaliert, wirft Waren auf den Boden oder er versucht zu fliehen), denken Sie immer an folgende Regel: "Eigenschutz geht vor!"

Klärung des Ladendiebstahls im Büro

Wenn Sie mit dem Tatverdächtigen das Büro erreicht haben, stehen Sie ihm also unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegenüber. Daher ist besonders wichtig, dass Sie immer einen Kollegen hinzuziehen – sowohl zur Eigensicherung als auch zur Schaffung einer eindeutigen Beweislage während der Protokollaufnahme. Um den Anschein einer sexuellen Belästigung auszuschließen, sollte sich ein männlicher Mitarbeiter niemals mit einer mutmaßlichen Ladendiebin allein im Büro befinden. Manche Ladendiebe versuchen, in einem günstigen Augenblick plötzlich die Flucht zu ergreifen.

Damit ist im Besonderen zu rechnen, wenn:

 

  • Personen das Büro betreten oder verlassen
  • sich in Reichweite des Tatverdächtigen potentielle Hieb- und Stichwaffen, Wurfgeschosse u. ä. (z.B. TESA-Roller, Scheren, Brieföffner) befinden
  • sich der Tatverdächtige durch eine Drohkulisse in die Enge getrieben fühlt. Bedrohlich wirken: beengte räumliche Gegebenheiten, Personen in unmittelbarer Nähe oder durch im Gespräch aufgebauten Druck

 

Durch professionelles Verhalten behalten Sie die Situation im Griff:

  • Beschränken Sie die Anzahl der Personen im Raum auf eine der Situation angemessene Anzahl
  • Achten Sie darauf, dass sich niemand unmittelbar im möglichen Fluchtweg des Tatverdächtigen aufhält
  • Sorgen Sie dafür, dass andere Personen den Raum während der Klärung der Angelegenheit möglichst nicht betreten oder verlassen (Schild: „Bitte nicht stören“)
  • Weisen Sie dem Tatverdächtigen einen Sitzplatz zu und wählen Sie die eigene Sitzposition so, dass Sie nicht direkt angegriffen werden können
  • Falls die Situation eskaliert und der Tatverdächtige randaliert, agieren Sie besonnen und fordern ihn möglichst ruhig und sachlich auf wieder Platz zu nehmen

 

Um den sicheren Umgang mit Ladendieben bei den Mitarbeitern zu fördern, empfehlen sich die folgenden Maßnahmen:

 

  • Betriebsanweisung erstellen, die das Verhalten der Mitarbeiter für einen sicheren Umgang mit Ladendieben verbindlich regelt Beschäftigte regelmäßig anhand der Betriebsanweisung unterweisen
  • Beschäftigte im sicheren Umgang mit Ladendieben von geeigneten Trainern schulen lassen. Dazu gehört das richtige Handeln beim Stellen von Tätern bis zum Eintreffen der Polizei ebenso wie die Eigensicherung und das rechtlich einwandfreie Vorgehen
  • geeignete Mitarbeiter zum Stellen von Ladendieben auszuwählen und den Kollegen bekannt zu machen
  • auf hohe Fangprämien und sonstige Anreize, wie öffentliche Belobigungen und Auszeichnungen, verzichten, die Beschäftigte dazu verleiten könnten, sich in Gefahr zu bringen.

Die Beispiele lassen sich endlos fortsetzen. Wichtig ist in jedem Fall die Schulung der Mitarbeiter im Vorab, um in einem möglichen Ereignisfall nicht völlig ahnungslos dem Täter und der Situation gegenüber zu stehen.

 

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Unsere Empfehlungen: Broschüre „Sicherheit im Handel“ (ECR-Austria), kostenlose e-Learning Schulung, TIPPS und Tricks auf unserer Homepage, Erstellen eines Sicherheitskonzeptes vom Profi.