Ladendiebe prellen Einzelhandel um vier Mrd. Euro

Kunden und Mitarbeiter greifen unerlaubt ins Regal

Ladendiebstähle führen in Deutschland jährlich zu einem Gesamtschaden von rund 3,8 Mrd. Euro. Dies macht ungefähr ein Prozent des erwirtschafteten Gesamtumsatzes aus. Im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutet dies einen leichten Anstieg um drei Prozent. Zu dem Ergebnis kommt eine heute, Dienstag, vorgestellte Studie des Handelsforschungsinstituts EHI http://ehi.org . Dabei wurden 91 Unternehmen mit rund 14.000 Verkaufsstellen zu ihren Erfahrungen mit Diebstählen befragt.

"Vor dem Hintergrund, dass die durchschnittlichen Gewinne im Handel rund zwei Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, sind diese Inventurdifferenzen von etwa einem Prozent gesamtwirtschaftlich problematisch", erklärt Hans-Otto Schenk, Autor und Experte für Handelspsychologie http://bit.ly/L0pDWF , im Gespräch mit pressetext.

Belegschaft mit langen Fingern

Aus der Befragung geht hervor, dass 51 Prozent der Diebstähle von klassischen Ladendieben ausgehen. Diese haben Güter im Wert von 1,9 Mrd. Euro erbeutet. Zu den begehrtesten Produkten, die ohne Rechnung die Kassen passieren, gehören vorwiegend kleine, hochwertige Waren wie zum Beispiel Kosmetika, Parfüms oder CDs. Auch Markenkleider sind sehr beliebt. Auf Platz zwei rangieren die eigenen Mitarbeiter mit einem Diebstahlsanteil von 21 Prozent und einem gestohlenen Wert von 800 Mio. Euro. Knapp dahinter liegen Lieferanten und Servicekräfte mit 19 Prozent. Der restliche Verlust wird mit organisatorischen Problemen begründet:

 

Neben dem Diebstahl durch Kunden und unzulängliche Wareneingangskontrollen bringt Schenk auch Manipulationen bei der Preisauszeichnung und dem Kassiervorgang ins Treffen. Nicht selten werden Preisschilder und Barcodes von Kunden sowie Mitarbeitern zu ihren Gunsten manipuliert, so der Experte (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20120530018 ).

Diebe aus allen Schichten

Eines der Hauptmotive für den unerlaubten Griff in die Regale sind finanzielle Probleme. Strafunmündige Jugendliche ohne Einkommen gehören genauso zu den Risikogruppen wie Rentner, die von Altersarmut betroffen sind. Gleichzeitig dazu kommen die zunehmende Reizüberflutung sowie ein kleptomanischer Zwang, unter dem mitunter auch wohlsituierte Menschen leiden, sagt Schenk.