Härtere Strafen für Ladendiebe

Leute aus der Mittelschicht, Ausländer, Kinder oder Stammkunden. „Früher waren Ladendiebstähle eher Jugendstreiche, heute sind die Diebe in jedem Alters- wie Kulturkreis zu finden“, sagt Markus Urban, Goldschmied aus Tulln.

 

Beim „Thema der Woche“ wurden die Menschen von der NÖN befragt, ob es härtere Strafen für Ladendiebe geben soll. Die Niederösterreicher sind sich mit überlegener Mehrheit einig: Ja! Auch bei der NÖN-Online-Umfrage, bei der 412 Personen ihre Stimme abgegeben haben, sind über 80 Prozent für härtere Strafen. Gestohlen wird aus den verschiedensten Gründen, wie etwa Mutproben, Not oder Gewinnsucht.

 

„Wir haben schon viele Ausreden gehört. Eine der Kuriosesten war von einem Herrn, der meinte, er wollte sich das gestohlene Produkt nur mal bei Tageslicht ansehen“, erzählt Martin Lackner, Lutz-Filialchef in St. Pölten. Derzeit umfasst der Strafrahmen für Ladendiebstahl Geldstrafen (bis zu 360 Tagessätze), aber auch Freiheitsstrafen (bis zu sechs Monate). Bei bandenmäßigem Diebstahl drohen bis zu fünf Jahre Haft.

 

„Ostbanden sind gut organisiert und kommen leicht zum Zug“, sagt Franz Reiter von der Wirtschaftskammer (WK) Tulln. Nicht nur der urbane Bereich ist betroffen, auch in ländlichen Regionen gibt es eine Zunahme, von Bezirk zu Bezirk verschieden. 2011 waren österreichweit 502 Millionen Euro Schaden auf Ladendiebstahl zurückzuführen. In Niederösterreich sind es 100 Millionen Euro, also 1,04 Prozent des Umsatzes. „48 Prozent davon sind auf Ladendiebstahl zurückzuführen, 30 Prozent auf Diebstähle von unehrlichen Mitarbeitern, 16 Prozent auf interne Verrechnungsfehler und sechs Prozent auf Lieferanten“, so Johann Ungersböck, Wirtschaftskammer Neunkirchen.

 

Beliebt bei Dieben sind „Hot Products“, kleine, aber teure Produkte. Dietmar Schimmel, WK Waidhofen: „80 Prozent des Schadens gehen auf diese Produkte zurück, das sind oft nur 10 bis 15 Artikel im Sortiment. Sie sollten gut einsehbar im Geschäft platziert werden.“

 

Meist können sich nur große Firmen Überwachung mittels Detektiv oder Videokameras leisten. Zusätzlich gibt es von der Polizei einen SMS-Infodienst, wenn Betrüger und Diebe unterwegs sind. Aber Aufklärung ist schwierig. „Die Dunkelziffer ist hoch. Oft fällt erst bei der Inventur auf, was fehlt. Dann ist es zu spät“, sagt Florian Ladengruber, Mistelbacher Bezirkspolizeikommandant.

Quelle: NÖN/Madeleine Kopitschek