Gelegenheit macht Diebe

von Marie-Theres Ehrendorff

Ladendiebstahl – ein Kavaliersdelikt?

 

Zwischen 500 und 800 Millionen Euro pro Jahr beziffern Experten den Schaden heimischer Einzelhandelsunternehmen durch „Inventurdifferenzen“. Hinter diesem harmlos klingenden Begriff verbergen sich oft kriminelle Handlungen, die für Branchen mit geringen Margen durchaus zur Existenzbedrohung werden können.

 

Schätzungen über den Wert der gestohlenen Waren belaufen sich auf etwa ein bis

1,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes. Der Schaden reicht von einer Schwächung

des Eigenkapitals und der Verminderung des Gewinns über eine betriebswirtschaftliche

Krise eines Handelsunternehmens bis zu dessen Insolvenz“, umreißt Fritz Aichinger,

Obmann der Bundessparte Handel, die Folgen von Ladendiebstahl. „Und neben Einbußen

für den Fiskus werden auch Arbeitsplätze vernichtet.“

 

Zwar geht aus dem weltweiten „Diebstahlsbarometer“ des britischen Center for Retail

Research hervor, dass Österreich im internationalen Vergleich auf einer Rangliste von

42 Staaten als drittbestes Land der Welt, wenn es um die geringsten Inventurdifferenzen

geht, rangiert. Grund zum Jubeln ist das noch lange nicht, denn gerade die heimischen

Unternehmen sind eher lax, was ein Vorbeugen in Sachen Ladendiebstahl betrifft.

Ladendiebe sind weder an ihrem Aussehen, Alter, Geschlecht, Kleidung oder Nationalität

noch an ihrem gesellschaftlichen Stand zu erkennen, was ihre Bekämpfung zwar

schwierig, jedoch nicht unmöglich macht.

 

„Aufgrund seines Verhaltens ist ein Ladendieb häufig zu erkennen“, weiß August Baumühlner aus seinem Berufsalltag als Leiter des Bereiches Kriminalprävention im Landeskriminalamt (LKA) Wien. „Ladendiebe beobachten ihr Umfeld meist ganz genau,

um zu sehen, ob sie auch ungestört sind. Einige schlendern ziellos und unentschlossen

im Geschäft umher und bleiben an uneingesehenen Stellen stehen, andere beobachten

unruhig und misstrauisch Verkäufer und Kunden, schauen sich dabei vorsichtig um,

wobei sie den Augenkontakt mit dem Verkaufspersonal vermeiden. Manche beobachten

minutiös alle Vorgänge im Verkaufsraum, während das Interesse bei ehrlichen Kunden

auf die Ware konzentriert ist, die ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Weist jemand erkennbare Zeichen von Nervosität auf, wie z.B. Rötungen im Halsbereich,

könnte das ebenfalls ein Indiz sein.“ „Man geht davon aus, dass 90 Prozent aller

Ladendiebe ,Amateure‘, also stehlende Normalkunden, sind, was für Unternehmer und

deren Mitarbeiter bedeutet, dass sie es selten mit Super-Kriminellen zu tun haben, die ihre Taten selbstsicher und ohne Nervosität ausführen.

Der klassische Ladendieb stiehlt, wenn er sich unbeobachtet fühlt“, erörtert

Roman Seeliger aus der Praxis. Seeliger setzte sich schon als Rechtspraktikant am

früheren Jugendgerichtshof Wien mit Ladendiebstahl auseinander, bevor er als stellvertretender Geschäftsführer der Bundessparte Handel begann, sich auch aus interessen - politischer Sicht mit diesem Thema zu befassen.

 

Wann klauen die Ladendiebe?

„Immer dann, wenn die meisten Kunden im Geschäft sind, ist die Aufmerksamkeit der

Mitarbeiter nicht mehr so hoch bzw. es schirmen einige Kunden die anderen rein optisch

ab, das ist eine Chance, die Diebe sonst nicht so leicht vorfinden. Andererseits gibt es in

einem vollen Geschäft wieder mehr Zeugen, was auch abschreckend wirken könnte“, so

der WKO-Jurist. „Die ,Rush hour‘ ist eine besonders gefährdete Zeitspanne, sich allerdings der Illusion hinzugeben, dass in Geschäftszeiten mit wenig Kundenfrequenz

nicht gestohlen wird, wäre ein Trugschluss. Oft nützen die potenziellen Diebe gerade

diese Zeit, wenn sie annehmen, dass die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter herabgesetzt

ist.“

Motive sind vielfältig So unterschiedlich wie die Ladendiebe selbst sind auch die Motive der Langfinger. Ist es bei jungen Erwachsenen vor allem reiner Zeitvertreib und die Lust am Abenteuer, die ihnen, auch wenn sie über genügend Geld verfügen, den sprichwörtlichen „Kick“ beschert so verfallen Kinder und Jugendliche eher in eine Art Spieltrieb, ohne dabei die Konsequenzen ihrer Taten realistisch einschätzen

zu können. Auch ältere Menschen, die an Vereinsamung leiden, versuchen manchmal, durch einen Ladendiebstahl ihren erlebnisarmen Alltag mit einem Nervenkitzel

zu kompensieren.

Ist Renommiersucht im Spiel, was sich durch alle Altersklassen zieht, werden prestigeträchtige Güter gestohlen, um im Bekanntenkreis Eindruck zu schinden. Imponiergehabe ist das Motiv, wobei es Dieben aus Habsucht und Besitzgier rein um das Horten von gestohlenen Gegenständen geht. Auch das Motiv der Schädigungsabsicht sollte nicht unterschätzt werden. Oft empfinden Täter gegenüber einem Unternehmen oder einer bestimmten Person im Unternehmen Hassoder Neidgefühle, die es gilt, mit einem Diebstahl abzureagieren. Kleptomanie, d.h. der Zwang zu stehlen, ist weniger häufig verbreitet, als Ladendiebe gegenüber den Detektiven behaupten, was jedoch häufig eine Ausrede ist, um zu erreichen, dass von einer polizeilichen Anzeige abgesehen wird. Auch Diebstähle aufgrund einer wirtschaftlichen Notlage sind seltener als vermutet.

Die „bewährten“ Tricks „Ein bekannter Trick ist kein Trick mehr“, und so entwickeln die Ladendiebe immer neue Methoden, um sich Ware, ohne sie zu bezahlen, anzueignen. Die gängigsten Methoden des Ladendiebstahls sind oft „Klassiker“ und überleben seit Jahren. Wer sie kennt, kann Ladendiebstahl besser bekämpfen. „Am häufigsten verschwindet die Ware in Bekleidungsstücken oder mitgebrachten Taschen“, diagnostiziert der Kriminologe.

Um das Kassenpersonal zu täuschen, werden Artikel im Geschäft „umgepackt“, d.h. teure

Ware wird in eine Schachtel mit billigem Inhalt gelegt oder Hohlräume in Schachteln

mit kleinen Artikeln befüllt, ebenso werden Etiketten vertauscht oder auf den Karton ge-

pickt, was den Anschein erwecken soll, dass dieses Produkt bereits in einem anderen Geschäft erstanden wurde. Auch Kinderwägen werden gerne zur Tarnung verwendet und

gebrauchte Kassabons, die den Einkauf wesentlich verbilligen sollen. Im Textilbereich

ist der Tatort Nummer eins die Umkleidekabine.

 

Hot Products

Generell gilt, was sich gut verkauft, wird auch gerne gestohlen. „Es ist nachgewiesen,

dass mehr als 80 Prozent des entstandenen Schadens auf den Diebstahl von nur etwa

zehn bis 15 Prozent der Artikel zurückzuführen sind. „Diese je nach Branche und Kundenzielgruppe unterschiedlichen hot products gilt es unbedingt herauszufinden, um

wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln“, sagt Seeliger. „Wobei es sich meist

um kleine Produkte, die man leicht mitgehen lassen kann, wie Lippenstift, Nagellack, Rasierklingen oder auch Batterien, Socken und Spirituosen, handelt. Auch Kondome gehören zu den hot products, allerdings könnte in diesem Fall eine gewisse Scham, diese an der Kasse zu deklarieren, auch mit ein Grund sein.“

 

Ladendiebstahl verhindern

„Jeder verhinderte Diebstahl ist besser als ein gelöster Kriminalfall“, ist August Baumühlner überzeugt, „denn der Ladendieb kommt immer als Kunde. Daher muss er

auch als Kunde behandelt werden. Ziel ist es folglich nicht, den Ladendieb zu erwischen,

sondern tagtäglich das Signal zu setzen: Wir passen auf. Wir sind ein kundenfreundliches

Handelsunternehmen, denn Kundenfreundlichkeit hat die abschreckendste Wirkung auf

einen Ladendieb, die es überhaupt gibt. Für den unehrlichen Kunden ist diese persönliche

Ansprache unangenehm, und er wird ein anderes Geschäft aufsuchen, wo er sich

,wohler‘ fühlt, und die ehrliche Kundschaft wird kaufen und wiederkommen, weil sie

sich gut betreut fühlt.“

 

Mitarbeiter sensibilisieren

Unternehmer schenken Inventurdifferenzen meist erst dann jene Aufmerksamkeit, die sie

verdienen, wenn die Verluste bereits ein Ausmaß erreicht haben, das für den Betrieb untragbar ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sind „Schnellschüsse“ ohne durchdachtes Konzept

die Regel. „Betriebliche Maßnahmen sollten aber auf Grundlage eines Sicherheitskonzeptes entwickelt werden“, rät Baumühlner, „das organisatorische Maßnahmen, den großen Bereich der Personalschulung wie auch psychologische Schulungen umfasst.“

 

Oft bekommt der Ladendieb erst den Impuls im Geschäft, weil die Möglichkeiten zu verlockend sind. Ein Ladendieb spürt auch oft, „heute geht’s oder heute geht’s nicht. Es gibt auch Studien, wovon sich Ladendiebe – vom Amateur bis zum Profi – am ehesten abschrecken lassen“, erklärt Baumühlner, „und die Furcht vor aufmerksamem Personal ist dabei immer an erster Stelle genannt worden. Auch alle anderen zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen dienen zur Unterstützung des Personals, Ladendiebstahl abzustellen. Das heißt, die Technik kann den Menschen nicht ersetzen.“

Das Um und Auf ist es, die Mitarbeiter vorzubereiten, wie sie sich im Fall der Fälle verhalten sollen. Unsicherheit und Angst des Personals durch mangelndes Wissen führt

nicht selten dazu, gar nichts zu tun, was die Diebe zum Wiederkommen anregt. „Manche

Mitarbeiter wagen es erst gar nicht, einen mutmaßlichen Ladendieb anzusprechen,

weil sie nicht wissen, was sie tun sollen, wie sie sich verhalten sollen und sich obendrein

vor den Konsequenzen ihres Einschreitens fürchten“, weiß August Baumühlner aus seiner

langjährigen Tätigkeit als „Testdieb“.

 

„Daher bedarf es Schulungen, denn es muss exakt festgelegt, durchbesprochen und trainiert werden, wie und in welcher Art und Weise auf auffällige Verhaltensweisen von

Kunden reagiert und wie nach der Entdeckung einer Tat vorgegangen werden soll.“

Zu den betrieblichen Maßnahmen zählt auch der Einsatz von externen Experten, um „Betriebsblindheit“ zu vermeiden sowie ladenbauliche Gestaltung und technische Lösungen gegen Ladendiebstahl.

 

Vorbeugen ist besser als heilen

Die Verkaufsatmosphäre so zu gestalten, dass sich ehrliche Käufer wohl fühlen und

potenzielle Diebe erst gar nicht ins Versuchsstadium kommen oder gleich wieder davon

ablassen, sollte Ziel jedes Einzelhandelsunternehmens sein. „Erkennt nun ein Mitarbeiter,

wie ein vermeintlicher Ladendieb etwas in eine Tasche oder einen Sack gleiten lässt,

bzw. hat er das Gefühl, dass die Ware an der Kassa nicht beglichen wird, ist es ratsam,

den Kunden freundlich darauf aufmerksam zu machen bzw. den Artikel gleich für den

Kunden zur Kasse zu legen, damit der mutmaßliche Langfinger nicht aufs Bezahlen

vergessen kann. Oder in einem anderen Fall dem Kunden dabei zu helfen, das Kleidungsstück von der Umkleidekabine wieder auf den ursprünglichen Haken im Geschäft zu hängen, denn es kann ja auch einmal ein Irrtum passieren ... Ein Überreagieren ist in jedem Fall rechtlich bedenklich, denn falsche Beschuldigungen können für den Händler bzw. dessen Mitarbeiter strafrechtliche Konsequenzen

wie üble Nachrede und ähnliches nach sich ziehen“, bemerkt Roman Seeliger.

 

Der ertappte Ladendieb

„Mein Appell an alle Unternehmer ist, sich ja nicht auf einen Deal mit einem Dieb einzulassen.“ Verlangt der Händler vom Dieb neben der Rückgabe der Handelsware noch

1.000 Euro zusätzlich, um nicht die Polizei zu verständigen, dann handelt es sich um Erpressung, da wohl nicht davon auszugehen ist, dass dem Händler ein Schadenersatz in

dieser Höhe zusteht. Nennt der Händler jedoch einen Betrag von 50 Euro, die ihm in

aller Regel zustehen werden, begeht der Händler nicht das Delikt der Erpressung.

„Ob Nötigung vorliegt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Hat die Ankündigung des Händlers, ohne die Zahlung die Polizei zu verständigen, drohenden Charakter, könnte dies der Fall sein“, meint der Jurist, der rät, „immer die Polizei zu holen“, und davor warnt, „mit einer Straflosigkeit von vornehinein zu rechnen“.

 

Grundsätzlich gilt: Sollte der Dieb dem Händler freiwillig ohne Einschaltung der Sicherheitsbehörde Schadenersatz in angemessener Höhe leisten, wird dies unbedenklich bleiben, solange der Unternehmer keinen besonderen Druck auf den Dieb ausübt.

 

Keine validen Zahlen

Es existieren keine exakten Zahlen über die Verursacher von Inventurdifferenzen, das

WIFI Österreich geht von der Tatsache aus, dass Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten

wertbezogen zu je einem Drittel für Diebstähle im Einzelhandel verantwortlich sind.

Mitarbeiter, die neben dem strafrechtlichen auch ein arbeitsrechtliches Risiko eingehen,

stehlen in der Regel seltener, dafür im Durchschnitt mit höherem Wert.

 

Diebstahl durch Mitarbeiter

In den USA, Kanada und in Australien ist der Anteil an Schwund durch im Unternehmen

Beschäftigte laut dem „Global Retail Theft Barometer“ bereits höher als jener der

Ladendiebstähle durch Kunden. „Getrübte zwischenmenschliche Beziehungen zwischen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer begünstigen Diebstähle ebenso wie ein fehlendes

Unrechtsbewusstsein mancher Mitarbeiter. Mit der Überzeugung, „der Arbeitgeber

zahlt für meine Leistung zu wenig, also nehme ich mir nur, was mir ohnehin zusteht“,

nützen potenzielle Täter je nach betrieblicher Hierarchie-Ebene ihre unterschiedlichen

Möglichkeiten, das Unternehmen zu schädigen. „Der Personaleinkauf muss daher für alle Mitarbeiter derart transparent und nachvollziehbar gemacht werden, dass ,weggelegte‘ oder ,vergessene‘ Waren nicht akzeptiert werden. Wer genau weiß, wie er im eigenen Betrieb etwas einkaufen kann, und die dafür vorgesehene Ablaufkette kennt, wird unbezahlte Waren nicht in einem Umkleideraum oder Spind verstauen, wenn die Regel ist, dass man die Ware im Chefbüro bis zur Abholung und Bezahlung deponieren muss. Genauso wie es auch Kassenrichtlinien gibt“, meint der Experte. Wer klare Richtlinien ausgibt, vermeidet die schwammige Antwort: „Chef, das habe ich ja nicht gewusst.“ Ob sie nun stimmt oder nicht.

Auch Mitarbeiterkontrollen sind zweifellos ein probates Mittel gegen Diebstahl,

ist Baumühlner überzeugt. „Ist es offensichtlich, dass jegliche Kontrolle fehlt, dann mag

dies manche Mitarbeiter zum Diebstahl verleiten, die sonst nicht straffällig geworden

wären. Das Stehlen wird ihnen sozusagen am Präsentierteller offeriert.“ Wobei bei

Kontrollen immer auf die arbeitsrechtlichen Bestimmungen Bedacht zu nehmen ist.

 

Ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einmal gestört, läst es sich nur mühevoll wieder aufbauen. Außerdem ist der Unternehmer für falsche oder nicht beweisbare Beschuldigungen möglicherweise strafrechtlich verantwortlich. Lieferanten als Täter „Der Lieferant hat im Lagerraum nichts zu suchen“, stellt August Baumühlner dezidiert fest. „Die Trennung von Warenanlieferzone und Warenlagerungszone sollte in jedem Sicherheitskonzept bedacht werden, denn beim

Anliefern der Waren haben Lieferanten sonst die Möglichkeit, Artikel unbemerkt mitzunehmen.

Diese Maßnahme wird in der Praxis oft deshalb vernachlässigt, damit Lieferanten

die Regale gleich mit den Handelswaren auffüllen können, was die eigene Mannschaft

entlasten soll. Jeder Händler sollte daher im Einzelfall Pro- und Kontra-Argumente genau

abwägen, bevor er sich für oder gegen diese Maßnahme entscheidet.“

 

Videoüberwachung schafft Klarheit Das Verschwinden zweier sehr teurer Artikel

aus einer versperrten und nicht aufgebrochenen Vitrine lenkte den Verdacht des Unternehmers auf jene Mitarbeiter, die einen Schlüssel zu diesem Schaukasten besaßen.

Die wahren Täter waren jedoch zwei Unbekannte, die über nachgemachte Schlüssel

verfügten. Aufgeklärt wurde der Diebstahl durch einige Mitarbeiter, die zwei Unbekannte

beim neuerlichen Versuch, die Vitrine zu knacken, beobachtet haben. Ohne diese

Beobachtung wäre der Schwund der Artikel in der Statistik des Betriebs fälschlicherweise

den Personaldelikten zugerechnet worden. „Missverständnisse dieser Art können

durch Videoüberwachungssysteme einfach geklärt werden“, weiß Roman Seeliger,

wenn auch einige rechtliche Aspekte zu beachten sind.

Am effizientesten ist Videoüberwachung, wenn ein Mitarbeiter permanent hinter dem

Monitor sitzt und dadurch gemeinsam mit dem Detektiv oder Mitarbeitern eingreifen

kann. Den Monitor sehr gut sichtlich im Kassenbereich oder prominent in „toten Ecken“

im Verkaufslokal zu platzieren, schreckt Diebe im Allgemeinen ab. Aber dort, wo der

Artikel aus dem Regal genommen wird, muss die Ware nicht gestohlen werden. Der

Täter nimmt oft Artikel mit, sucht eine uneingesehene Stelle, und wenn er sich unbeobachtet fühlt, steckt er sie dann ein. Bei Eröffnungen ist daher gleich zu Beginn an ein sicheres Shop-Konzept zu denken. Nachträglich eingebaute Sicherheitsmaßnahmen sind meist teurer und oft ist die Möglichkeit geringer, das Geschäft übersichtlich zu gestalten.

 

Fünf betriebliche Maßnahmen Als absolutes Muss zur Vorbeugung gegen Ladendiebstahl empfiehlt der Kriminalist das Fünf-Maßnahmen-Konzept zu beachten:

 

organisatorisch,

personell,

ladenbaulich,

technisch und

psychologisch.

 

„Der mögliche Täter nimmt Maßnahmen gegen Diebstähle meist ,sinnlich‘, also auch intuitiv, wahr und lässt dann von seinem Vorhaben meist wieder ab. Es liegt daher im Interesse der Handelsbetriebe, möglichst schlechte Bedingungen für Ladendiebe zu schaffen, natürlich unter dem Aspekt, Störungen für ehrliche Kunden zu vermeiden.“ In der Praxis heißt das, die Balance zwischen diesen beiden Anforderungen zu finden.

„Dieses Fünf-Maßnahmen- Konzept ist das Um und Auf und sollte von jedem Händler anhand einer Ist- Analyse überprüft werden, wie weit der Soll- Zustand noch entfernt ist bzw. welche Maßnahmen derzeit zu kurz kommen.“

 

 

Weiterführende Literatur:

„Dauerthema Ladendiebstahl. Erfolgreiche Gegenstrategien, rechtliche Hintergründe",

ISBN: 978-3- 902110-76-3, rund 200 Seiten,

Preis 19 Euro für Mitglieder der Wirtschaftskammern

bzw. 24 Euro inkl.

Ust. im WKO.at-Webshop